Körperkult – Süchtig nach Muskeln bis zum Tod

In unserem heutigen Artikel, wollen wir euch einen Querschnitt der Berichterstattung, nationaler und internationaler Medien, zum Thema Muskelkult und ihrer fatalen Folgen für die Gesundheit und das Leben näher bringen.


Bereits 2001 wurde im Spiegel darüber berichtet, dass ein Sixpack mittlerweile als männliches Schönheitsideal gilt, was davor bei Bodybuildern noch mit einer Mischung aus Neugier und Ekel bestaunt wurde. Die dabei auftretenden psychischen Probleme, wurden in einer amerikanischen Studie unter dem Titel „The Adonis Complex“ untersucht, wobei man feststellte, dass sich neben der Anorexie und Bulimie ein neues Krankheitsbild entwickelte. Die Bigorexie auch Muskelsucht genannt, ist die verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers, in dem man sich als zu mickrig empfindet und seinen Körper unter weiten T-Shirts und Schlabberhosen versteckt. Bei 160 untersuchten Männern die regelmässig ins Fitnessstudio gingen, fanden sich 16 Bigorexie Fälle also 10% der Fitness-Sportler. Der Co-Autor der Studie wies dabei darauf hin, dass wenn all jene, die mit einer weniger ernsthaften Muskelmanie dazugezählt würden, man die Rate der Fälle leicht verdoppeln könnte. Der daraus entstehende Anteil von 20% der Fitness-Sportler, deckt sich heute, mit der ermittelten Dunkelziffer von 19.5 % der Sportler, die regelmässig Medikamentenmissbrauch im Fitness-Sport betreiben.



2007 berichtete ein Ostschweizer Kraftsportler in der NZZ über seine Erfahrungen mit leistungssteigernden Substanzen. Durch einen Kollegen sei er an den Stoff gekommen, der ihm gleich noch eine Anleitung zur Verabreichung mitlieferte. Nach kurzer Zeit der Einnahme erzählte der Sportler das sein Körper wie eine Turbine lief. 12 Stunden arbeiten und dann vier Stunden trainieren war ein Klacks. Das er dabei zunehmend nervös und aggressiv wurde merkten dabei nur seine Trainingskollegen. Aus der anfänglich kontrollierten Einnahme wurde bald ein wildes Einwerfen, geplante Pausen der Einnahme wurden ignoriert und bald war er ständig unter Stoff. Dazu kamen zu den üblichen anabolen Steroiden auch die weitaus gefährlicheren Wachstumshormone die er sich einmal Spritze. Nebenwirkungen waren längst kein Thema mehr, Blutvergiftung oder Spritzenabszess – alles Peanuts, einfach rausschneiden und weiter geht’s. Am Höhepunkt seiner Dopingkarriere war ihm alles egal, wenn ich mit 30 sterbe, dann ist das so. Als er dann 2002 während der Schweizer Meisterschaften aufgrund massivem Dopings beim Bankdrücken aus dem Mund schäumte, wurde ihm langsam bewusst, dass dies lebensgefährlich werden konnte. Dann setzte er die Pillen ab und erlebte die Hölle: Schüttelfrost, Schlaflosigkeit, Nervenzusammenbruch und massive Depressionen waren die Folge, wie man das auch beim Entzug von Strassendrogen beobachten kann. Die Einweisung in eine Klinik rettete ihm das Leben. Dort kam der Chefarzt mit einem dicken Dossier und ernster Miene und sagte, die Leberwerte sind sehr schlecht, wenn sie weiterhin Pillen schlucken kann das in kurzer Zeit zum Tod führen.



2014 der Blick berichtete über Mike Schaller der mit 23 Jahren an der Einnahme von Dopingmittel verstorben war. Süchtig nach Training posierte mein Sohn jeden Tag vor den Spiegel und machte Bilder von seinem muskelbepackten Körper, erzählte seine Mutter. Anfänglich bekam er die Pillen von seinem Kollegen, später bestellte er die anabolen Steroide selber im Internet um damit mehr Muskeln aufzubauen. Ende Mai passierte dann das Unfassbare, nach einem Training auf dem Hometrainer, klagte er über Brustschmerzen, ging nach Hause und legte sich schlafen. Ich dachte mir nichts dabei berichtete die Mutter, am nächsten fand ihn die Polizei Tod in seinem Bett. Obwohl die Mutter klar darauf hinwies, dass ihr Sohn Anabolika einnahm, wurde durch den Arzt ein natürlicher Tod diagnostiziert. Der Allgemeinmediziner Dr. Kistler der eine Doktorarbeit zum Thema „Todesfälle bei Anabolikamissbrauch“ verfasst hat, die auch in unserer Forschungsarbeit eingeflossen ist, sieht diese Vorgehensweise kritisch und sagte dazu: Eine Autopsie in diesem Fall wäre zwingend gewesen, dass Verhalten des Arztes sei fahrlässig. Im Übrigen müsse der Konsum von Anabolika verboten werden.



2017, die Fitnessplattform Vice Sports in den USA veröffentlicht ein Video unter dem Titel „Was acht Jahre anabole Steroide mit einem Bodybuilder machen“. Das Lehrstück einer klassischen Missbrauchsbiographie in 11:24 Minuten unter: https://sports.vice.com/de/article/bj8knm/video-was-acht-jahre-anabole-steroide-mit-einem-bodybuilder-machen


2018, Gannikus.com berichtet vom plötzlichen Tod des international bekannten und weltweit einflussreichsten Trainers im Bereich des Kraftsportes Charles Poliquin. Der unter Personaltrainern geachtete Trainingswissenschaftler begann bereits als Student Athleten verschiedenster Disziplinen zu coachen. Der 57-Jährige eröffnete darüber hinaus mehrere Trainingsinstitute, etablierte ein eigenes Zertifizierungsprogramm, schrieb mehr als ein halbes Dutzend Bücher und produzierte als Trainer Hunderte von olympischen Medaillen. Er starb am 25. September 2018 überraschend und aus bislang nicht bekannten Gründen. Aus dem Umfeld des Startrainers, war dem Anschein nach bekannt, dass Charles Poliquin selbst, über längere Zeiträume leistungssteigernde Substanzen eingenommen hat.


FAZIT


Der Medikamentenmissbrauch im Fitness-, Vereins und Freizeitsport ist eine allgegenwärtige Problematik, die sich durch alle Gesellschaftsschichten und Altersgruppen zieht. Die Beispiele zeigen exemplarisch auf, welche enormen Gefahren hinter der Einnahme von leistungssteigernden Substanzen stecken und wie einfach es doch ist, solche Substanzen zu beschaffen. Darum ist es aus unserer Sicht umso wichtiger für die nötige Transparenz zu sorgen, um ein Umdenken bei den Sportlern zu bewirken.


QUELLEN

12.August 2001, Der Spiegel

Körperkult – Süchtig nach Muskeln

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/koerperkult-suechtig-nach-muskeln-a-149820.html


07. Januar 2007, NZZ

Anabolika bis an den Abgrund

https://www.nzz.ch/articleESO59-1.93258


13.Juli 2014, Blick

Der Fitnesswahn hat meinen Sohn umgebracht

https://www.blick.ch/news/schweiz/westschweiz/myriam-schaller-trauert-um-ihren-sohn-mike-der-fitnesswahn-hat-meinen-sohn-umgebracht-id2981340.html


20. Juni 2017, Vice Sports

Video: Was acht Jahre anabole Steroide mit einem Bodybuilder machen

https://sports.vice.com/de/article/bj8knm/video-was-acht-jahre-anabole-steroide-mit-einem-bodybuilder-machen


28. September 2018, Gannikus.com

Mit 57 Jahren - Charles Poliquin überraschend verstorben!

https://www.gannikus.com/news/charles-poliquin-ueberraschend-verstorben/





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